Als ich das Haus übernahm, trug es dieses Blau bereits an den Fensterläden. Ich habe es nicht ausgesucht — ich habe ihm zugestimmt und später die ganze Farbwelt von Eckhütt Eins daraus abgeleitet. Dass es eine eigene Geschichte mitbrachte, erfuhr ich erst, als eine Bekannte aus North Carolina zu Besuch war. Sie sah die Läden und sagte nur: „Das ist haint blue."
Im amerikanischen Süden, erzählte sie, streicht man dieses Blau seit Generationen an Türen, Rahmen und Läden — eine Tradition der Gullah-Geechee-Kultur an der Küste der Carolinas. Es soll die ruhelosen Geister fernhalten: Wer Wasser oder Himmel nicht überqueren kann, tritt nicht ein. Dass die alte Farbe zugleich Wespen und Mücken vertrieb, war der handfeste Kern unter der Legende.
Das Eigentümliche ist, dass weit entfernt davon dasselbe Blau dieselbe Aufgabe trägt. In Griechenland und am ganzen östlichen Mittelmeer wehrt es den bösen Blick ab — an den Läden, den Türen, den kleinen Augen aus Glas. Zwei Kulturen, ein Ozean dazwischen, greifen zur selben Farbe und tragen sie an dieselbe Stelle: an die Öffnungen des Hauses, dort, wo innen und außen sich berühren.
Vielleicht, weil dieses Blau Himmel und Wasser ist und der Mensch darin überall Ruhe und Schutz erkennt. Ob es Geister fernhält, lasse ich offen. Was es fernhält, ist der Lärm der Welt — und der bleibt, wie es sich gehört, an der Waldkante zurück.
Nicole