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Musikraum · Anhang · Stück 6 von 6

Komponistinnen und Komponisten — Wiener Klassik bis heute.

Eine Tabelle über die fünf erzählten Stücke hinaus — von Haydn, Mozart und Beethoven (Wiener Klassik, ab 1732) bis zur Gegenwart. Nach Land sortiert, eingefärbt nach Region: Westeuropa in Blautönen, Osteuropa und Russland in Rottönen, Amerika in Violett, Asien in Grün, der Nahe Osten in Gold, Ozeanien in Türkis. Eine kleine Karte des Kompositionsschaffens seit der Klassik. Jeder Name ist klickbar.

Was diese Liste ist

Eine Übersicht — nicht erschöpfend.

Aufgenommen sind Komponistinnen und Komponisten, die im »westlichen« Idiom geschrieben haben — Wiener Klassik, Romantik, Moderne, Avantgarde, Gegenwart. Auswahlkriterium ist das heutige Konzert-Repertoire: Wer mehr als gelegentlich aufgeführt wird, ist hier verzeichnet. Die Liste ist nicht erschöpfend und sie hat ihre Schieflagen — sie spiegelt, was im 20. Jahrhundert kanonisiert wurde, mit allen Lücken, die das mit sich bringt.

Sortierung pro Land: nach Geburtsjahr. Bei Komponistinnen und Komponisten zwischen zwei Ländern (etwa Schönberg Wien / Los Angeles, Strawinski Russland / Frankreich / USA) wird das Land des Hauptwirkens oder der Geburt verwendet.

Beginn der Tabelle: die Wiener Klassik um 1730. Joseph Haydn (geb. 1732) ist der früheste Eintrag. Was davor liegt — Bach, Händel, Vivaldi, Telemann, Monteverdi — ist Barock und vorklassische Musik und bleibt einer eigenen Darstellung vorbehalten. Klick auf jeden Namen öffnet ein Fenster mit Musikrichtung, Hauptwerken, Beschreibung des Stils, Weiterentwicklungen und Hinweisen zum Charakter. Die Detailtexte werden nach und nach ergänzt; zunächst sind die zentralen Figuren ausführlich beschrieben.

Westeuropa

Blautöne · zehn Länder

Deutschland

25

Österreich

18

Frankreich

21

Italien

14

Großbritannien

13

Skandinavien

10

Spanien & Portugal

6

Schweiz

6

Niederlande & Belgien

6

Griechenland

5

Osteuropa & Russland

Rottöne · sieben Länder

Russland

16

Polen

10

Tschechien & Slowakei

9

Ungarn

7

Rumänien

2

Estland & Baltikum

2

Ukraine

5

Amerika

Violett-Töne · Nord- und Südamerika

Vereinigte Staaten

24

Kanada

9

Süd- und Mittelamerika

17

Asien

Grüntöne · Japan, China, Korea

China

5

Korea

3

Naher Osten

Goldtöne · Israel und Türkei

Israel

4

Türkei

2

Ozeanien

Türkis · Australien und Neuseeland

Australien & Neuseeland

5

Was die Liste zeigt

Fünf Beobachtungen.

Wer die sechs Blöcke nebeneinander liest, sieht fünf Linien gleichzeitig.

Erstens: Westeuropa hat die längste kontinuierliche Tradition — Deutschland und Österreich führen von der Wiener Klassik (Haydn, Mozart, Beethoven) ohne Bruch bis ins 21. Jahrhundert. Frankreich findet ab Berlioz eine eigene Sprache, die mit Debussy und Ravel einen vom deutschen Idiom unabhängigen Weg in die Moderne öffnet. Italien trägt seine Operntradition, die nach dem Verismo (Puccini) kurz pausierte und mit der Avantgarde der Nachkriegszeit (Dallapiccola, Nono, Berio) wieder einsetzte. Griechenland kommt spät hinzu, mit Skalkottas und Xenakis aber gleich auf höchster Avantgarde-Ebene.

Zweitens: Russland setzt mit Glinka 1804 später ein als Westeuropa, holt aber im 20. Jahrhundert auf und wird über Strawinski, Schostakowitsch und Schnittke zu einer eigenständigen Tradition, die mit dem Westen nur lose verbunden ist. Polen, Tschechien und Ungarn entwickeln im 19. Jahrhundert eigene Schulen unter dem Eindruck nationaler Bewegungen; im 20. Jahrhundert werden Lutosławski, Penderecki, Bartók und Ligeti zu international wirkenden Figuren. Die Ukraine, lange unter dem russischen Korpus subsumiert, hat mit Silvestrov, Skoryk und Stankovych eine eigene Tradition, die seit dem Krieg sichtbarer wird.

Drittens: Amerika setzt erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein — MacDowell und Beach sind die ersten amerikanischen Stimmen, die im westlichen Sinn Komposition betreiben. Charles Ives erfindet als Außenseiter eine eigene Moderne. Mit Copland, Gershwin und Bernstein entsteht ab den 1920er Jahren ein eigener amerikanischer Klang; mit Reich, Glass und Adams ab den 1960er Jahren der Minimalismus, der das 20. Jahrhundert prägt. Süd- und Mittelamerika entwickeln über Villa-Lobos, Ginastera und Piazzolla eigene Schulen, die folkloristische Sprachen mit europäischer Kompositionstechnik verbinden. Kanada bleibt schmal, mit Schafer und Hétu als international wirksamen Stimmen.

Viertens: Asien beginnt spät — Japan um 1895 (Kōda Nobu), China und Korea erst nach 1945. Tōru Takemitsu, Isang Yun und Tan Dun zeigen drei Wege: eine japanische Schule, die die ostasiatische Stille ins westliche Orchester einführt; eine koreanische, die in der Pariser-Berliner Avantgarde wurzelt; eine chinesische, die nach 1980 international hervortritt und Operntradition, Schamanismus und westliche Moderne verbindet. Unsuk Chin (Korea/Berlin) und Misato Mochizuki (Japan) führen das in der Gegenwart fort.

Fünftens: Naher Osten und Ozeanien sind kleine, junge Felder. Israel hat seit Ben-Haim eine eigene Schule, die jiddisch-osteuropäisches Erbe und Mittelmeer-Tonalität verbindet. Die Türkei begann mit Saygun (in Paris bei d’Indy ausgebildet) und einer ataturkischen Modernisierungsidee. Australien und Neuseeland tragen mit Grainger, Sculthorpe und Brett Dean zur englischsprachigen Moderne bei. Die meisten dieser Komponistinnen und Komponisten sind im Konzertsaal jenseits ihres Heimatlandes noch wenig zu hören — was bedeutet, dass die Liste hier noch wachsen wird.

Die Tabelle ist ein Werkzeug, kein abgeschlossenes Verzeichnis. Sie wird mit der Zeit ergänzt — insbesondere um die lebenden Komponistinnen und Komponisten, deren Werk noch nicht voll überblickbar ist.

Quellen & Belege

Die Lebensdaten folgen den gängigen musikwissenschaftlichen Nachschlagewerken (The New Grove Dictionary of Music and Musicians; Die Musik in Geschichte und Gegenwart, MGG). Die Auswahl ist bewusst nicht erschöpfend: Maßstab ist das heutige Konzert-Repertoire, weshalb die Liste die Kanonbildung des 20. Jahrhunderts samt ihrer Lücken widerspiegelt — das ist im Eingang offengelegt. Die Kurztexte zu den einzelnen Namen sind einordnende Charakterisierungen, keine belegten Werkanalysen; sie nennen jeweils Hauptwerke und stilistische Linien, wie sie in der Standardliteratur und den gängigen Werkverzeichnissen dargestellt sind. Lebende Komponistinnen und Komponisten sind nach öffentlich zugänglichen Werk- und Biografieangaben verzeichnet; bei ihnen ist die Einschätzung ausdrücklich vorläufig.