Zum Inhalt springen

Vierte Linie · Eine Arbeit aus dem Haus

Musikraum.

Fünf Stücke aus der Musikwelt — und ein Anhang mit allen, die sie geschrieben haben. Wie die Romantik entstand. Was nach ihr kam, in Russland, Paris und Tokio. Wie der Jazz sich gegen ein Land behauptete, das ihn brauchte und gleichzeitig seinen Schöpfern das Spielen verbot. Wie das französische Chanson aus dem Cabaret von Montmartre wurde. Und wie die italienischen Cantautori aus einer franko-italienischen Verbindung über Brassens entstanden.

Was diese Reihe will

Geschichten, die nicht in den Lehrbüchern stehen.

Im Haus steht ein Klavier. Wer möchte, kann sich hinsetzen. Was darum herum gewachsen ist — Schubert, Chopin, Beethoven, die russische Schule, Boulanger in Paris, der Jazz aus New Orleans, Brassens und Brel im Pariser Cabaret, De André und Tenco im italienischen Sanremo — ist seit zweihundert Jahren ein Gewebe von Erfindungen, vergessenen Erfindern und politischen Lagen, das bis heute klingt. Fünf Stücke versuchen, einige der unerwarteten Fäden freizulegen; ein sechster, ein Anhang, ordnet alle, die diese Musik geschrieben haben, nach Ländern.

Jedes Stück steht für sich. Wer linear gehen will, beginnt mit der Romantik und endet bei den Cantautori; wer nur Chanson lesen will, kann das. Jeder Text endet mit einer vierspurigen Zeittafel: was zur gleichen Zeit in der Musik, in der bildenden Kunst, in der Literatur und in der Welt geschah. Der Anhang versammelt alle Komponistinnen und Komponisten von 1800 bis heute, geordnet nach Westeuropa, Osteuropa, Amerika und Japan.

Fünf Stücke und ein Anhang

Sechs Türen in den Musikraum.

Junger Mann am Schreibtisch mit Federkiel, im Hintergrund eine Madonna.
1

Wie die Romantik entstand

1770 – 1850

Die Romantik beginnt nicht mit einer Komposition, sondern mit einem Theologie-Studenten vor einem Bild und einem Richter, der seinen Vornamen ändert. Wackenroder, Hoffmann, Weber, Marschner, Schumann. Eine Generation von Schriftstellern erfindet, was später Musik werden soll.

Erstes Stück lesen
Fünf junge Männer um einen Samowar, einer in Marineuniform.
2

Spätromantik bis Moderne

1850 – 1950

Was nach der Romantik kam, in Russland, in Paris, in Tokio. Fünf Autodidakten in St. Petersburg erfinden eine eigene Musik. Eine Frau in Paris bildet die amerikanische Komponisten-Generation aus. Japan beginnt 1887 mit westlicher Musik und niemand im Westen merkt es.

Zweites Stück lesen
Junger Mann mit Cornet auf einer Veranda, tanzende Silhouetten im Hintergrund.
3

Vertiefung Jazz

1890 – heute

Wie er entstand, wie er sich entwickelte, wie er sich behauptete. Der erste Jazzmusiker hinterließ keine Tonquelle. Zwei unsichtbare Pianistinnen formten Bebop und Hot Jazz. Ein Polizei-System verbot den Erfindern das Spielen. Ehrlich erzählt, ohne zu beklagen.

Drittes Stück lesen
Frau singt mit Mikrofon vor einer Gruppe Soldaten in einer Lagerhalle.
4

Chanson

1880 – 2000 · Frankreich

Aristide Bruant erfindet das Cabaret-Image. Edith Piaf rettet im Krieg Soldaten aus Stalag-Lagern. Brassens, Brel und Ferré literarisieren das Idiom. Boris Vian schreibt 1954 den Anti-Kriegs-Brief, der bis 1962 verboten bleibt — und stirbt 1959 im Kino bei der Vorpremiere seines eigenen Films.

Viertes Stück lesen
Mann mit lockigem Haar und Bart, Gitarre auf dem Schoß, schreibt mit einem Stift.
5

Cantautori

1955 – 2000 · Italien

De André entdeckt Brassens und wird Sardinien-Geisel. Luigi Tenco erschießt sich nach dem Sanremo-Ausscheiden. Lucio Battisti zieht 1980 den Stecker und verschwindet achtzehn Jahre. Mia Martinis Karriere zerstört ein Branchen-Aberglaube namens jellatura.

Fünftes Stück lesen
Salon-Szene des 19. Jahrhunderts: mehrere Musikerinnen und Musiker um einen Flügel, eine Violinistin im Hintergrund, eine Pianistin im violetten Kleid am Klavier.
6

Komponistinnen und Komponisten

Anhang · 1800 – heute

Wer hat all das geschrieben? Eine Tabelle, geordnet nach Ländern und Lebensdaten. Westeuropa in Blautönen, Osteuropa und Russland in Rottönen, Amerika in Violett, Japan in Grün. Von E. T. A. Hoffmann bis Caroline Shaw — weit über hundert Namen aus zwei Jahrhunderten.

Anhang öffnen

Quellen & Belege

Diese Seite ist ein Wegweiser; sie fasst nur zusammen, was die einzelnen Stücke ausführen. Die belegte Grundlage steht jeweils dort: Jedes der fünf Stücke und der Komponisten-Anhang schließen mit einer eigenen Sektion Quellen & Belege, in der die historischen und biografischen Angaben nach gängiger musikwissenschaftlicher Literatur ausgewiesen sind. Lebens- und Werkdaten folgen den Standard-Nachschlagewerken; Aussagen über lebende Personen sind nach öffentlich zugänglichen Quellen verzeichnet.

Im Haus

Im Haus steht ein Klavier.

Wer Klavier gelernt hat und es vor Jahren beiseite gelegt hat, kann sich gerne hinsetzen. Auf dem Pult liegen die Schubert-Impromptus, die Beethoven-Sonaten, die Chopin-Nocturnes, die Chopin-Etüden und ein paar einfache Jazz-Hefte. Wer aktiv eingreifen will, hat Material. Wer nur lesen und hören möchte, ebenfalls.

Zurück zur Literatur Mit dem ersten Stück beginnen