Musikraum · Stück 5 von 5
Cantautori.
Eine italienische Geschichte zwischen Sanremo und Sardinien. Vier Männer und eine Frau: Luigi Tenco, der sich 1967 nach einem Festival-Ausscheiden erschoss. Fabrizio De André, der 1979 entführt wurde und seine Entführer nicht verfolgen ließ. Lucio Battisti, der ab 1980 verschwand. Paolo Conte, der seine Anwaltspraxis aufgab, weil Celentano ihm einen Hit schenkte. Und Mia Martini, deren Karriere ein Gerücht zerstörte.
I. Auftakt
Was ein Cantautore ist.
Das Wort cantautore ist eine italienische Erfindung der späten 1950er Jahre. Es ist die Verschmelzung von cantante (Sänger) und autore (Autor). Das zugrundeliegende Konzept war französisch — Brassens, Brel und Ferré hatten es vorgeführt — aber das Wort und die Form wurden genuin italienisch.
Wer cantautore ist, denkt drei Aufgaben als eine: Texte schreiben, Melodien komponieren, beides selbst singen. Nicht als drei getrennte Berufe, die ein Lied produzieren, sondern als eine einzige Geste.
In Italien ist diese Tradition bis heute lebendiger als in irgendeinem anderen europäischen Land. Eine Reihe von Männern hat sie über mehrere Generationen getragen — Fabrizio De André, Lucio Battisti, Francesco Guccini, Paolo Conte, Lucio Dalla, Giorgio Gaber, Roberto Vecchioni. Daneben eine kleinere Reihe von Frauen, die in der männlich dominierten Szene persönliche Geschichten getragen haben: Mia Martini, ihre Schwester Loredana Bertè, später Gianna Nannini, Carmen Consoli, Elisa.
Dieses Stück erzählt fünf der ungewöhnlichsten Lebensgeschichten der Cantautori-Szene. Sie sind nicht repräsentativ für die ganze Szene, aber sie zeigen, was an dieser Tradition anders ist als am französischen Chanson, an der amerikanischen Folk-Tradition oder an der deutschen Liedermacherbewegung.
II. Die franko-italienische Verbindung
De André, Brassens und die Außenseiter.
1961 lebte ein einundzwanzigjähriger Genueser namens Fabrizio De André bei seinen Eltern. Er war ein schlechter Jurastudent und ein guter Gitarrist und Sänger. Eines Tages hörte er französisches Radio — und entdeckte Georges Brassens. Was Brassens vorgemacht hatte — Volkslied-Format, literarischer Anspruch, anarchistische Tonart, Sympathie für die Außenseiter — wurde für De André zur lebenslangen Lehre.
De André übersetzte mehrere Brassens-Lieder ins Italienische. Il gorilla ist Brassens' Le gorille — eine Persiflage auf die Todesstrafe, in der ein entlaufener Gorilla einen Richter angreift. Delitto di paese ist eine Übersetzung von Brassens' L'assassinat.
1976 begegneten sich die beiden bei einem RAI-Interview in Genua. Brassens war damals fünfundfünfzig, De André sechsunddreißig. Brassens sagte ihm: Italienisch sei die einzige Sprache, in der seine Lieder besser klingen als im Original. Wahrscheinlich war das eine Höflichkeitsfloskel; für De André war es eine lebenslange Verbindung zum französischen Chanson.
De Andrés eigene Lieder waren von Anfang an Außenseiter-Geschichten:
- Prostituierte in der città vecchia, der Genueser Altstadt;
- Verbrecher und Hingerichtete (Ballata dell'eroe, Il pescatore);
- die Marginalisierten der Genueser Straße.
Sein Konzeptalbum Non al denaro non all'amore né al cielo (1971) vertonte acht Geschichten aus Edgar Lee Masters Spoon River Anthology. Jeder Song ein Toter, der vom Friedhof aus sein Leben erzählt.
Im August 1979 wurden De André und seine Partnerin Dori Ghezzi auf ihrer Farm in Tempio Pausania (Sardinien) entführt. Eine sardische Bande hielt sie vier Monate im Wald als Geiseln. Beide wurden im Dezember 1979 freigelassen, nachdem De Andrés Vater ein Lösegeld bezahlt hatte.
Außergewöhnlich war De Andrés Reaktion: Er weigerte sich, gegen die Entführer auszusagen. In der Geiselzeit hatte er verstanden, dass die jungen Männer aus einer Ländlichkeit kamen, die ihnen keine andere Wahl ließ. Sein Album L'indiano (1981) ist seine Antwort auf die Erfahrung — er nannte die Sardinier »die Indianer«, Italien war für sie die kolonisierende Macht. De André starb 1999 in Mailand an einer Krebserkrankung, achtundfünfzig Jahre alt.
III. Sanremo, Januar 1967
Luigi Tenco und die Nacht des Festivals.
Das Sanremo-Festival ist seit 1951 Italiens wichtigste Pop-Veranstaltung. Wer im Casino di Sanremo gewinnt, ist monatelang im Radio. Wer nicht gewinnt, verschwindet. Das System ist hart — 1967 war es noch härter als heute.
Im Januar 1967 trat Luigi Tenco beim 17. Sanremo-Festival mit dem Lied Ciao amore, ciao an, im Duett mit der französisch-italienischen Sängerin Dalida. Tenco war achtundzwanzig, hatte schon einige bekannte Lieder geschrieben und war in der italienischen Cantautori-Szene angesehen. Ciao amore, ciao war für das Sanremo-Publikum ungewöhnlich: Es handelte von einem Bauernkind, das in die Stadt zog und nicht mehr heimkam — ein Lied über die italienische Landflucht der 1950er und 1960er.
In der Nacht vom 26. auf den 27. Januar 1967 wurde das Lied von der Festival-Jury aus dem Wettbewerb genommen. Tenco fuhr ins Hotel Savoy zurück, schrieb einen kurzen Brief und nahm sich das Leben. Er war achtundzwanzig Jahre alt.
Das Sanremo-Festival ging am nächsten Tag weiter. Keine Schweigeminute, keine Pause, keine offizielle Ankündigung. Dalida, Tencos Duett-Partnerin, wurde von einem Journalisten in einem Treppenhaus des Hotels weinend gesehen. Sie versuchte wenige Monate später selbst, sich das Leben zu nehmen, und starb 1987 in Paris.
Tencos Tod hat die italienische Musikbranche kurz erschüttert; das Sanremo-System änderte sich strukturell kaum. Aber der Tag wird in Italien bis heute als il più triste der Pop-Geschichte erinnert. Seit 1974 wird in Tencos Heimatstadt Ricaldone alle zwei Jahre der Premio Tenco vergeben — ein Cantautori-Preis, der bewusst als Gegenmodell zu Sanremo eingerichtet wurde. Wer ihn gewinnt, gewinnt nichts Kommerzielles, aber Anerkennung von Kollegen.
IV. Das Verschwinden
Lucio Battisti zieht den Stecker.
In den 1970er Jahren war Lucio Battisti der kommerziell erfolgreichste italienische Pop-Sänger. Mit seinem Texter Mogol (Giulio Rapetti) schrieb er Lieder, die heute zum Standardrepertoire der italienischen Popkultur gehören: Il mio canto libero, La canzone del sole, Acqua azzurra, acqua chiara, Emozioni. Er verkaufte Millionen. Im Fernsehen trat er selten auf, Interviews gab er kaum.
1980 trennte sich Battisti von Mogol. Was als kreativer Neuanfang verkauft wurde, war tatsächlich der Beginn eines Verschwindens. Sein neuer Texter hieß Pasquale Panella und blieb über Jahre namenlos auf den Cover-Rückseiten. Battistis späte Alben — Don Giovanni (1986), L'apparenza (1988), La sposa occidentale (1990), CSAR (1992), Hegel (1994) — waren sprachlich kryptisch, melodisch eigenwillig, manchmal absichtlich unverständlich. Sie verkauften sich trotzdem gut: Battistis Name allein wirkte als Marke.
Außergewöhnlich war, was Battisti in dieser Phase nicht tat:
- Keine Interviews mehr.
- Keine Fernseh-Auftritte.
- Keine Live-Konzerte.
- Keine öffentlichen Auftritte überhaupt.
Er lebte mit seiner Frau Grazia Letizia Veronesi in Molteno bei Como, verließ das Haus selten, empfing nur seinen Texter und einige enge Bekannte. Er starb am 9. September 1998 an einem Lebertumor, fünfundfünfzig Jahre alt. Die Beerdigung fand ausschließlich im Familienkreis statt; das italienische Fernsehen wurde nicht eingeladen. Sein langjähriger Texter Mogol erfuhr vom Tod übers Radio.
Battisti ist eine der wenigen Pop-Figuren des 20. Jahrhunderts, die die kommerzielle Logik der Branche weitgehend ignorieren konnten. Er hat gezeigt, dass eine Karriere durch Verschweigen nicht zerfällt — sie kann sogar wachsen. Was er hinterließ, hat im italienischen Bewusstsein heute eine ähnliche Stellung wie Bob Dylans Spätphase im amerikanischen.
V. Die jellatura
Mia Martini und das Gerücht.
Mia Martini, geboren 1947 als Domenica Berti in Bagnara Calabra, hatte eine der ausdrucksstärksten Stimmen der italienischen Pop-Tradition. Ihre Schwester Loredana Bertè war ebenfalls Sängerin. In den 1970er Jahren hatte Mia Martini große Erfolge mit Liedern wie Padre davvero, Minuetto und Almeno tu nell'universo.
Anfang der 1980er Jahre entstand in der italienischen Musikbranche das Gerücht, sie bringe Pech — jellatura, ein Begriff aus dem süditalienischen Volksglauben für das Böse Auge. Wer mit ihr arbeite, dem gehe es schlecht.
Solche Gerüchte waren in der italienischen Pop-Branche nicht selten und hatten oft konkrete Wirkung. Mia Martinis Karriere brach in der Folge zusammen: Plattenfirmen wollten sie nicht mehr unter Vertrag nehmen, Festivals luden sie nicht mehr ein. Sie zog sich in die Schweiz und nach Frankreich zurück.
1989 kehrte sie zurück. Für das Sanremo-Festival nahm sie ihr eigenes Lied von 1972 neu auf: Almeno tu nell'universo. Das Lied gewann den Kritikerpreis — der heute den Namen Premio della Critica Mia Martini trägt. Ihre Karriere kam zurück.
Im Mai 1995 wurde sie tot in ihrer Wohnung in Cardano al Campo gefunden, siebenundvierzig Jahre alt. Die offizielle Todesursache war Herzinfarkt; eine Autopsie wurde nicht angeordnet. Ein Verdacht auf Suizid blieb stehen, ohne offiziell bestätigt zu werden. Ihre Schwester Loredana Bertè arbeitet seither öffentlich daran, das Gerücht der jellatura zu zerstreuen — das Gerücht, das Mia Martini ihrer Sicht nach umgebracht hat.
Was diese Geschichte zeigt, ist eine Schattenseite des italienischen Pop-Marketings: Aberglaube, der in der Branche konkrete Wirkung hat, weil viele kleine Akteure schnell entscheiden und niemand über Folgen reden muss. Mia Martinis Schicksal wird heute in Italien als Beispiel dafür gelesen, dass Branchen-Aberglauben Karrieren brechen kann — und der Sanremo-Kritikerpreis trägt heute ihren Namen.
VI. Schluss
Was bleibt.
Die Cantautori-Tradition lebt heute weiter. Eine jüngere Generation trägt das Idiom in die Gegenwart: Vinicio Capossela, Brunori Sas, Calcutta, Luca Carboni. Vor allem hat sich die weibliche Form — cantautrice — durchgesetzt; Carmen Consoli, Levante und Elisa gehören zu den führenden Stimmen der italienischen Gegenwartsmusik.
Zwei Eigenheiten unterscheiden die italienische Cantautori-Tradition von der französischen Chanson:
- Polyzentrisch statt zentralisiert. Die französische Chanson ist auf Paris konzentriert. In Italien hat fast jeder Cantautore eine konkrete regionale Verortung — De André in Genua, Conte in Asti, Dalla in Bologna, De Gregori in Rom.
- Stärkere Verbindung zur Literatur. De André vertonte die Spoon River Anthology. Roberto Vecchioni veröffentlichte parallel zu seiner Karriere wissenschaftliche Aufsätze als Latinist. Francesco Guccini schreibt Romane. Wer in Italien Cantautore ist, schreibt oft auch Prosa — in einer Form, die in Frankreich, wo die Gattungstrennung stärker ist, seltener vorkommt.
Im Anschluss eine Zeittafel mit den vier Spuren: Cantautori, andere Musik, bildende Kunst und Literatur, Welt. Klick auf eine Box öffnet den Eintrag.
Zeittafel 1955 – 2000
Was geschah, während die Cantautori entstanden.
Vier Spuren: Cantautori, andere Musik, bildende Kunst und Literatur, Welt. Klick auf eine Box öffnet den Eintrag.
1955 – 1970
Geburt der Cantautori1958Modugno, Volare
Domenico Modugno gewinnt mit Nel blu dipinto di blu das Sanremo-Festival. Erstmals singt der Komponist sein Lied selbst — der Vorläufer der Cantautore-Form. Wird in den USA Volare, einer der größten Welthits.
1961De André entdeckt Brassens
Der einundzwanzigjährige Genueser hört im Radio Brassens und beginnt, dessen Lieder zu übersetzen. Aus dieser Begegnung wird die franko-italienische Verbindung der Cantautori-Tradition.
1965Tenco, Mi sono innamorato di te
Luigi Tencos erfolgreichstes Lied. Schlägt einen melancholischen, intimen Ton an, der als Vorbild für die ganze frühe Cantautori-Generation dient.
1967Tenco †
27. Januar: nach dem Ausscheiden seines Lieds Ciao amore, ciao beim 17. Sanremo-Festival erschießt sich Tenco im Hotel Savoy. Achtundzwanzig Jahre alt. Das Festival geht am nächsten Tag ohne Pause weiter.
1968Endrigo, Canzone per te
Sergio Endrigo, gebürtiger Pulaer Vertriebener, gewinnt das Sanremo-Festival. Spätestens jetzt ist die Cantautore-Form etabliert.
1958Berio, Théma (Omaggio a Joyce)
Luciano Berio bearbeitet eine Aufnahme seiner Frau Cathy Berberian, die aus dem Ulysses liest. Erste italienische Avantgarde-Komposition mit Tonband.
1969Battisti, Acqua azzurra
Lucio Battisti gewinnt das Festivalbar mit dem Lied. Beginn seiner langen Zusammenarbeit mit dem Texter Mogol.
1958Lampedusa, Il Gattopardo
Posthum erschienen. Roman über den Untergang des sizilianischen Adels im Risorgimento.
1960Fellini, La dolce vita
Fellinis Film über das Pariser, Verzeihung, Roma der Sechziger. Marcello Mastroianni, Anita Ekberg im Trevi-Brunnen.
1968Pasolini, Teorema
Pier Paolo Pasolinis Roman und Film über das Eindringen eines Fremden in eine bürgerliche Familie.
1957Römische Verträge
Italien ist Gründungsmitglied der EWG. Beginn der italienischen miracolo economico, die das Land industrialisiert.
196868er-Bewegung in Italien
Studentenrevolten an den italienischen Universitäten. Die contestazione dauert in Italien länger als anderswo, läuft über in die anni di piombo.
1970 – 1985
Goldenes Zeitalter · anni di piombo1971De André, Spoon River
Konzeptalbum Non al denaro non all'amore né al cielo. Vertonungen von acht Toten aus Edgar Lee Masters' Spoon River Anthology.
1972Battisti/Mogol, Il mio canto libero
Battistis erfolgreichstes Album mit Mogol. Wird in Italien zur kommerziellen Norm der Cantautori-Pop-Ära.
1972Gaber, Il signor G
Giorgio Gaber eröffnet seinen teatro canzone — eine Form aus Liedern und Monologen. Politisch links, mit zunehmender Selbstironie der italienischen Linken.
1974Premio Tenco gegründet
In Tencos Heimatstadt Ricaldone wird der Premio Tenco gegründet, ein Kritiker-Preis als Gegenmodell zum kommerziellen Sanremo.
1974Conte gibt die Kanzlei auf
Paolo Conte, Anwalt aus Asti, gibt seine Kanzlei auf, weil Adriano Celentano ihm Azzurro abgekauft hat. Beginn seiner eigenen Sanger-Karriere.
1979De André entführt
August: De André und Dori Ghezzi werden auf ihrer Sardinien-Farm entführt. Vier Monate Geiselhaft im Wald. Im Dezember Freilassung gegen Lösegeld. De André weigert sich anschließend, die Entführer zu verfolgen.
1981De André, L'indiano
Album als Antwort auf die Entführungs-Erfahrung. De André nennt die sardischen Entführer die Indianer und sieht Italien als kolonisierende Macht.
1971Ennio Morricone, Filmmusiken
Morricone schreibt in den 70er Jahren die Musik zu Sergio Leones Filmen, später zu vielen italienischen und internationalen Produktionen.
1973Italo-Disco
Italo-Disco entsteht; Giorgio Moroder produziert Donna Summer's I Feel Love 1977.
1972Calvino, Le città invisibili
Italo Calvino schreibt seine Unsichtbaren Städte. Marco Polo erzählt Kublai Khan fünfundfünfzig phantastische Städte.
1980Eco, Il nome della rosa
Umberto Ecos Roman erscheint und wird ein internationaler Erfolg. Mittelalter-Krimi mit semiotischen Untertönen.
1969Piazza Fontana
Bombenanschlag in Mailand. Beginn der italienischen anni di piombo, einer langen Phase politischer Gewalt von rechts und links.
1978Aldo Moro entführt und ermordet
Die Roten Brigaden entführen den Christdemokraten Aldo Moro, halten ihn 55 Tage gefangen, ermorden ihn. Tiefster Punkt der italienischen Nachkriegsgeschichte.
1985 – 2000
Späte Cantautori · Pop-Wende1986Battisti, Don Giovanni
Erstes Album mit dem heimlichen Texter Pasquale Panella. Beginn der kryptischen Spätphase Battistis.
1989Mia Martini kehrt zurück
Beim Sanremo-Festival mit Almeno tu nell'universo. Gewinnt den Kritikerpreis. Karriere kehrt nach Jahren der jellatura-Schikanen zurück.
1995Mia Martini †
Mai: tot in ihrer Wohnung in Cardano al Campo gefunden, siebenundvierzig. Offiziell Herzinfarkt; Verdacht auf Suizid bleibt. Sanremos Kritikerpreis trägt seither ihren Namen.
1998Battisti †
September: Lucio Battisti stirbt in Molteno an einem Lebertumor, fünfundfünfzig. Familienkreis-Beerdigung; Mogol erfährt vom Tod über das Radio.
1999De André †
Januar: De André stirbt an einer Krebserkrankung in Mailand, achtundfünfzig Jahre alt. Sein Begräbnis in Genova zieht 10.000 Menschen an.
1991883 und der italienische Pop
Max Pezzali und Mauro Repetto starten unter dem Namen 883 und werden zur kommerziellen Pop-Stimme der 1990er.
1996Italienischer Hip-Hop
Articolo 31, Frankie Hi-NRG MC und andere etablieren den italienischen Hip-Hop. Erste Generation, die nicht mehr aus der Cantautori-Tradition kommt.
1987Tabucchi, Notturno indiano
Antonio Tabucchis Roman erscheint. Postmoderne italienische Erzählkunst.
1994Benigni, La vita è bella
Roberto Benignis Holocaust-Komödie wird später international überraschend Oscar-prämiert.
1992Mani pulite
Mailands Staatsanwaltschaft beginnt die Anti-Korruptions-Ermittlungen, die das ganze italienische Parteiensystem zerschlagen.
1994Berlusconi gewinnt Wahl
Erste Berlusconi-Regierung. Beginn einer politischen Phase, die Italien fast zwei Jahrzehnte prägt.
Quellen & Belege
Die biografischen und historischen Angaben folgen der gängigen Standardliteratur. Luigi Tenco trug am 26. Januar 1967 beim 17. Sanremo-Festival Ciao amore, ciao vor und wurde in der folgenden Nacht (27. Januar 1967) tot im Hotel aufgefunden; der Tod wurde offiziell als Suizid nach dem Ausscheiden gewertet. Fabrizio De André und Dori Ghezzi wurden am 27. August 1979 in Sardinien entführt und nach rund vier Monaten im Dezember 1979 freigelassen; De André starb 1999 in Mailand. Das Sanremo-Festival besteht seit 1951; der Rückzug Lucio Battistis aus der Öffentlichkeit ab etwa 1980, der von einem Branchen-Aberglauben (jellatura) belastete Karriereverlauf Mia Martinis und der Wechsel Paolo Contes aus der Anwaltstätigkeit sind biografisch dokumentiert. Datums- und Altersangaben sind nach dem gängigen Forschungsstand gerundet; einzelne Szenen sind erzählerisch zugespitzt, ohne den belegten Kern zu verlassen.
Die Reihe
Fünf Stücke aus der Musikwelt.
Dies ist das letzte Stück der Reihe. Wer sie der Reihe nach gelesen hat, hat die zentralen zweihundertdreißig Jahre westlicher Musikgeschichte als ein Geflecht von Personen, Lagen und Erfindungen vor sich.
Stück 1 · Romantik Stück 2 · Moderne Stück 3 · Jazz Stück 4 · Chanson