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Eine Arbeit aus dem Haus · Tafelwerk

Acht Techniken.

Wie ein Garten wächst — vier westliche und vier östliche Anbauformen, vom Reihenanbau im Klostergarten bis zur Naturlandwirtschaft Masanobu Fukuokas. Ein knapper Querschnitt durch zwei Traditionen, die einander in den letzten fünfzig Jahren näher gekommen sind, als sie es vorher waren.

Einen Garten anzulegen, klingt nach einer kleinen Aufgabe. Sie ist es nicht. Wer entscheidet, was wann wo wachsen soll, steht vor Fragen, die seit Jahrtausenden beantwortet werden — auf sehr unterschiedliche Weise. Im Westen ist der Garten lange als ein Ort gedacht worden, an dem der Mensch ordnend eingreift: er teilt Beete ab, zieht Reihen, schneidet Bäume in Form, düngt, jätet, gießt. Der Garten ist ein Werk, das gegen die Wildnis behauptet werden muss.

In Ostasien ist der Garten anders gedacht worden. Er ist nicht der Ort des ordnenden Eingriffs, sondern des achtsamen Mitwirkens. Der Mensch ist Teil eines größeren Zusammenhangs aus Wald, Wasser, Boden, Tieren — und seine Aufgabe ist es, diesen Zusammenhang zu pflegen, nicht zu beherrschen. Eine japanische Reisterrasse ist nicht eine Eroberung der Hangneigung, sondern ein Gespräch mit ihr. Ein chinesischer Gemüsegarten ist nicht ein abgegrenztes Beet, sondern ein durchlässiger Bereich, in dem Insekten, Vögel und Pflanzen ihre eigenen Wege haben dürfen.

Diese Differenz ist nicht zufällig. Sie hat mit klimatischen Bedingungen zu tun, mit Bodenverhältnissen, mit Bevölkerungsdichte. Aber sie hat auch mit kulturellen Vorstellungen vom Verhältnis zwischen Mensch und Natur zu tun. Im Westen war die Natur lange das Andere, das gezähmt werden musste. In Ostasien war sie der größere Zusammenhang, in dem der Mensch lebte. Diese beiden Grundhaltungen prägen den Gartenbau bis heute.

In den letzten fünfzig Jahren ist etwas Bemerkenswertes geschehen. Im Westen sind Gartenbauern aufgetreten, die gegen die ordnende Tradition gearbeitet haben — Sepp Holzer in Österreich, Bill Mollison in Australien, andere. In Ostasien sind Gartenbauern aufgetreten, die gegen die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft gearbeitet haben — Masanobu Fukuoka in Japan an erster Stelle. Beide Bewegungen kommen sich an erstaunlich vielen Punkten entgegen. Was im Westen Permakultur heißt, hat in Japan schon einen alten Namen.

Die folgenden acht Techniken, vier westliche und vier östliche, sind ein knapper Querschnitt. Sie zeigen die Bandbreite zwischen einfachen Anbauformen und philosophisch begründeten Systemen — und sie machen sichtbar, wo die beiden Traditionen einander begegnen.

Vier Techniken

Westliche Tradition

1  ·  Westen

Reihenanbau im Beet

Reihenanbau — eine Pflanzenart pro Reihe

Die einfachste und am weitesten verbreitete Form des europäischen Gemüsebaus. Pflanzen einer Art werden in geraden Reihen angebaut, mit Abständen, die der ausgewachsenen Größe der Pflanze entsprechen. Im klösterlichen Garten des Mittelalters bereits Standard, von Walahfrid Strabo im 9. Jahrhundert in seinem Hortulus beschrieben. Der Reihenanbau erlaubt einfaches Hacken, Jäten und Ernten. Sein Nachteil: Schädlinge, die eine bestimmte Pflanzenart bevorzugen, finden ein gedecktes Buffet.

2  ·  Westen

Mischkultur nach Gertrud Franck

Mischkultur — verschiedene Arten in Wechselfolge

Die deutsche Gärtnerin Gertrud Franck hat in den 1970er Jahren ein System der Mischkultur ausgearbeitet, das auf der Beobachtung beruht, dass bestimmte Pflanzenarten einander fördern und andere einander hemmen. Tomaten und Basilikum stehen gut zusammen; Zwiebeln und Bohnen weniger. Im Mischkultur-Beet werden mehrere Arten in derselben Reihe oder in benachbarten Reihen angebaut. Schädlinge finden ihr bevorzugtes Wirtsgewächs schwerer, und die Pflanzen profitieren wechselseitig von Wurzelausscheidungen, Beschattung und Insektenanlockung. Francks Buch Gesunder Garten durch Mischkultur von 1980 ist im deutschsprachigen Raum bis heute Standardwerk.

3  ·  Westen

Spalierobst an der Mauer

Spalierobst — gerichteter Wuchs an der Mauer

Die kontrollierte Wachstumsführung von Obstbäumen an einer Wand oder einem Drahtgerüst, mit dem Ziel, möglichst viel Frucht auf möglichst kleiner Fläche zu erzielen. In den klösterlichen und höfischen Gärten Europas seit dem Mittelalter, im 17. und 18. Jahrhundert hochentwickelt — der Hofgarten von Versailles unter Ludwig XIV. hatte gigantische Spalieranlagen, in denen Pfirsiche und Aprikosen unter dem nordfranzösischen Klima zur Reife gebracht wurden. Die Mauer speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts ab, was eine eigene Mikroklimazone schafft. Der Schnitt erfordert jährliche Eingriffe und Erfahrung.

4  ·  Westen

Hügelbeet nach Sepp Holzer

Süden Norden Hügelbeet — Schichtung mit Holzkern

Der österreichische Bergbauer Sepp Holzer hat in den 1960er Jahren auf seinem Hof in den Tauern, dem Krameterhof, eine Form des Gartenbaus entwickelt, die er später Permakultur nannte und die mit der australischen Permakultur-Bewegung Bill Mollisons konvergierte. Das Hügelbeet ist eine seiner zentralen Techniken: ein langgestreckter Erdwall, im Inneren mit Holzresten, Reisig, Kompost und Erde geschichtet. Das verrottende Holz speichert Wasser und gibt über Jahre Nährstoffe ab. Auf der Südseite des Hügels wachsen wärmeliebende Pflanzen, auf der Nordseite schattenverträgliche. Holzer hat gezeigt, dass diese Technik sogar in 1500 Metern Höhe Tomaten und Zitronen wachsen lassen kann — ohne Gewächshaus, ohne Düngung.

Vier Techniken

Östliche Tradition

5  ·  Osten

Reisterrasse

Reisterrasse — Wasser fließt von oben nach unten

Eine der ältesten Anbautechniken Asiens, in China seit über siebentausend Jahren nachweisbar, in Japan seit etwa dreitausend Jahren. Hänge werden in flache Stufen umgewandelt, von Steinmauern oder Erdwällen gehalten, die jeweils ein Wasserbecken bilden. Das Wasser fließt von der obersten Terrasse in die nächsttiefere und so weiter — durch Fallhöhe und Wasserführung wird ein gestaffeltes System bewässert, das ohne Pumpen funktioniert. Die Reisterrassen von Banaue auf den Philippinen und die von Yuanyang in der südchinesischen Provinz Yunnan sind UNESCO-Welterbe. Ihre Anlage hat ganze Berghänge umgestaltet, ohne sie zu zerstören — Erosion wird verhindert, weil das System die Wasserführung selbst reguliert.

6  ·  Osten

Satoyama

Wald Dorf Felder Satoyama — Verbund von Wald, Dorf und Feld

Das japanische Konzept der Verbund-Landschaft, in dem Wald, Dorf und Reisfeld kein getrenntes Nebeneinander sind, sondern ein integriertes System. Das Wort satoyama ist zusammengesetzt aus sato (Dorf) und yama (Berg, Hügel). Der Wald liefert Brennholz, Pilze, Wildgemüse, Streu für die Felder, Holz für den Hausbau. Die Felder liefern Reis, Gemüse, Stroh für den Wald. Bäche durchqueren beide Bereiche und versorgen Mensch und Tier. Das System ist über Jahrhunderte gewachsen und hat eine eigene Biodiversität geschaffen — viele japanische Tier- und Pflanzenarten sind auf das satoyama angewiesen, weder reine Wildnis noch reine Kulturlandschaft. Seit den 1990er Jahren ist satoyama in Japan ein Begriff, der staatliche Schutzprogramme begründet, weil das System durch Landflucht und industrielle Landwirtschaft bedroht ist.

7  ·  Osten

Bonsai

Bonsai — Wachstumsführung im Kleinen

Die Kunst der Wachstumsführung im Kleinen, in China unter dem Namen penjing seit dem 6. Jahrhundert dokumentiert, in Japan seit dem 12. Jahrhundert als Bonsai (wörtlich: Pflanze in der Schale) verfeinert. Ein Baum wird in einem flachen Gefäß gehalten, durch Beschnitt von Wurzeln und Krone in eine spezifische Form geführt. Die Technik ist im Westen oft als dekorativ missverstanden worden — sie ist eine philosophische Praxis, in der der Mensch über Jahrzehnte mit dem Baum zusammenarbeitet und sein Wachstum lenkt, ohne ihn zu deformieren. Ein guter Bonsai kann Jahrhunderte alt werden und wird über Generationen weitergegeben. Die berühmten Bonsai der kaiserlichen Sammlung in Tokio sind über 500 Jahre alt.

8  ·  Osten

Shizen Nōhō — die Naturlandwirtschaft nach Masanobu Fukuoka

Shizen Nōhō — Hauptfrucht über durchgehender Mulchschicht

Der japanische Mikrobiologe und Bauer Masanobu Fukuoka hat in den 1940er Jahren auf seiner Familienfarm auf der Insel Shikoku ein Anbausystem entwickelt, das er Shizen Nōhō nannte — Natürliche Landwirtschaft. Vier Prinzipien: keine Bearbeitung des Bodens (kein Pflug), keine Düngung, kein Jäten, kein Pestizid. Stattdessen wird der Boden durchgehend von Pflanzen bedeckt — Hauptfrucht und Gründüngung wachsen abwechselnd, das tote Pflanzenmaterial verbleibt als Mulch. Saatgut wird in Tonkugeln eingehüllt, die einfach ausgeworfen werden, ohne dass der Boden gestört wird. Fukuoka hat über Jahrzehnte gezeigt, dass dieses System Erträge erzielt, die mit der konventionellen Landwirtschaft mithalten — bei einem Bruchteil des Aufwands. Sein Buch Der große Weg hat kein Tor (1975) hat die internationale Permakultur-Bewegung mitbegründet. Fukuoka und Sepp Holzer sind, ohne voneinander zu wissen, an erstaunlich ähnlichen Punkten angekommen.

Befund

Was die acht Techniken zusammen erzählen.

Die westliche Tradition hat den Garten lange als ein geordnetes System gedacht, in dem der Mensch einteilt, schneidet, lenkt. Reihenanbau, Spalierobst, Mischkultur — alle drei beruhen auf der Vorstellung, dass der Mensch die Pflanzen in eine Form bringt, die der Natur überlegen ist. Diese Tradition hat Großes geleistet: die Klostergärten des Mittelalters, die Renaissancegärten Italiens, die Barockgärten Frankreichs sind kulturelle Höchstleistungen.

Die östliche Tradition hat den Garten anders gedacht. Die Reisterrasse arbeitet mit dem Hang, nicht gegen ihn. Das satoyama ist gar kein abgegrenzter Garten, sondern ein Netzwerk aus Wald, Dorf und Feld. Bonsai ist eine Form, in der Mensch und Baum über Jahrzehnte miteinander wachsen. Das Verhältnis zwischen Mensch und Pflanze ist hier nicht hierarchisch, sondern partnerschaftlich.

In den letzten fünfzig Jahren sind beide Traditionen einander näher gekommen. Sepp Holzer hat im Westen ein System entwickelt, das in vielem an japanische Vorstellungen erinnert — er arbeitet mit dem Hang, mit dem Mikroklima, mit Schichtungen, die sich selbst tragen. Masanobu Fukuoka hat in Japan ein System entwickelt, das wiederum westliche Permakultur-Pioniere wie Bill Mollison und Sepp Holzer beeinflusst hat. Beide haben gegen die industrielle Landwirtschaft ihrer Zeit gearbeitet, und beide sind, ohne voneinander zu wissen, an erstaunlich ähnlichen Punkten angekommen: kein Pflug, keine künstliche Düngung, durchgehende Bodenbedeckung, Vertrauen in die Selbstregulation des Systems.

Wer einen Garten anlegt — egal in welcher Tradition —, lernt etwas, das in der täglichen Berufsarbeit der meisten Menschen nicht vorkommt: dass Wachstum Zeit braucht, dass das System klüger ist als der Eingriff, und dass Geduld eine Form von Können ist.

Das Haus

Was rund um Eckhütt wächst.

Das, was rund um Eckhütt Eins wächst, ist nicht angelegter Garten im klassischen Sinn. Es ist eine Mischform, die über zwei Jahrzehnte gewachsen ist: eine sonnige Lichtung, geschnitten in den Bayerischen Wald, mit magerer Wiese, Blühflächen, Streuobstanflug, Beerenhecken, einer neu gefassten Quelle, zwei Weihern und einem Hang, der durch handgesetzte Trockenmauern gesichert wurde.

Mehrere der hier beschriebenen Prinzipien kommen darin vor, ohne dass sie je als Prinzipien geplant worden wären. Die Trockenmauer am Hang, die seit zwanzig Jahren ohne Mörtel hält, ist ein östlich anmutendes Werk in westlicher Tradition. Die magere Wiese, die zweimal im Jahr geschnitten wird, ist im Geist der Shizen Nōhō: keine Düngung, keine Pestizide, der Bewuchs reguliert sich selbst über Jahre. Das Verhältnis von Wald, Lichtung und Wasserlauf ist die mitteleuropäische Verwandte des satoyama.

Wer einen Tag im Garten arbeitet — Hecken schneiden, Quelle nachfassen, Stauden umpflanzen, eine Trockenmauerstelle ausbessern —, lernt das, was kein gärtnerisches Lehrbuch vermitteln kann: dass das System klüger ist als der Eingriff. Geduld ist hier nicht eine Tugend. Sie ist eine Voraussetzung.

Quellen & Belege

Die Technikbeschreibungen folgen der gängigen Garten- und Agrargeschichts-Literatur. Der klostergärtnerische Reihenanbau ist bei Walahfrid Strabo im Hortulus (9. Jahrhundert) beschrieben; die Mischkultur-Systematik geht auf Gertrud Franck zurück; der höfische Spalierobstbau ist u. a. im Potager du Roi in Versailles unter Ludwig XIV. dokumentiert. Der Reisterrassenbau Ostasiens und das Satoyama-Konzept, die Formgebäungstradition penjing (China) bzw. Bonsai (Japan) sowie die Naturlandwirtschaft Masanobu Fukuokas sind in der Standardliteratur breit belegt; die genannten Zeit- und Altersangaben sind gerundete Richtwerte nach dem jeweiligen Forschungsstand. Die Schemazeichnungen sind didaktische Prinzipdarstellungen. Eckhuett-bezogene Angaben aus eigener Dokumentation.