Einen Garten anzulegen, klingt nach einer kleinen Aufgabe. Sie ist es
nicht. Wer entscheidet, was wann wo wachsen soll, steht vor Fragen, die
seit Jahrtausenden beantwortet werden — auf sehr unterschiedliche
Weise. Im Westen ist der Garten lange als ein Ort gedacht worden, an dem
der Mensch ordnend eingreift: er teilt Beete ab, zieht Reihen,
schneidet Bäume in Form, düngt, jätet, gießt. Der
Garten ist ein Werk, das gegen die Wildnis behauptet werden muss.
In Ostasien ist der Garten anders gedacht worden. Er ist nicht der Ort
des ordnenden Eingriffs, sondern des achtsamen Mitwirkens. Der Mensch
ist Teil eines größeren Zusammenhangs aus Wald, Wasser, Boden,
Tieren — und seine Aufgabe ist es, diesen Zusammenhang zu pflegen,
nicht zu beherrschen. Eine japanische Reisterrasse ist nicht eine
Eroberung der Hangneigung, sondern ein Gespräch mit ihr. Ein
chinesischer Gemüsegarten ist nicht ein abgegrenztes Beet, sondern
ein durchlässiger Bereich, in dem Insekten, Vögel und Pflanzen
ihre eigenen Wege haben dürfen.
Diese Differenz ist nicht zufällig. Sie hat mit klimatischen
Bedingungen zu tun, mit Bodenverhältnissen, mit
Bevölkerungsdichte. Aber sie hat auch mit kulturellen Vorstellungen
vom Verhältnis zwischen Mensch und Natur zu tun. Im Westen war die
Natur lange das Andere, das gezähmt werden musste. In Ostasien war
sie der größere Zusammenhang, in dem der Mensch lebte. Diese
beiden Grundhaltungen prägen den Gartenbau bis heute.
In den letzten fünfzig Jahren ist etwas Bemerkenswertes geschehen.
Im Westen sind Gartenbauern aufgetreten, die gegen die ordnende Tradition
gearbeitet haben — Sepp Holzer in Österreich, Bill Mollison in
Australien, andere. In Ostasien sind Gartenbauern aufgetreten, die gegen
die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft gearbeitet haben
— Masanobu Fukuoka in Japan an erster Stelle. Beide Bewegungen
kommen sich an erstaunlich vielen Punkten entgegen. Was im Westen
Permakultur heißt, hat in Japan schon einen alten Namen.
Die folgenden acht Techniken, vier westliche und vier östliche, sind
ein knapper Querschnitt. Sie zeigen die Bandbreite zwischen einfachen
Anbauformen und philosophisch begründeten Systemen — und sie
machen sichtbar, wo die beiden Traditionen einander begegnen.